[Gelesen] Nil – Lynne Matson

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Die Regeln der mysteriösen Insel Nil sind einfach: Wer sie nicht innerhalb von einem Jahr wieder verlässt, stirbt.

Gerade eben wollte die 17-jährige Charley noch im Discounter Klamotten umtauschen, Sekunden später wird sie auf dem Parkplatz plötzlich von einer flimmernden Hitzewelle erfasst und alles wird schwarz. Als das Mädchen das nächste Mal die Augen aufschlägt, befindet sie sich mitten in einer rauhen Felswüste und ist völlig nackt. Mühsam kämpft sie sich über die Steine, findet ein Bündel zurückgelassener Kleidung und erkundet ihre Umgebung. Ihr wird schnell klar, dass sie sich auf einer paradiesischen Insel befindet, doch sie hat keine Ahnung, wo genau sie sich befindet und wie sie dorthin gelangt ist. Auch für die seltsam flimmernden Hitzewellen, die über die Insel hinwegjagen, hat sie keine Erklärung. Nach tagelangem Überlebenskampf stößt sie auf eine Gruppe Jugendlicher, die offenbar das gleiche Schicksal wie sie ereilt hat – und die Charley mit dem schrecklichen Geheimnis der Insel vertraut machen…

Reizvolles Survival-Setting auf einer mysteriösen Insel

Die Ausgangssituation von Lynne Matsons Jugendroman „Nil“ klingt vielversprechend: Jugendliche landen auf einer mysteriösen Insel und haben genau 365 Tage Zeit, diese lebend wieder zu verlassen. Simpel, aber durchaus reizvoll. Der Einstieg in die Geschichte lässt dann aber schon erste Zweifel aufkommen, ob das Buch wirklich so cool wird, wie es die Inhaltsbeschreibung (und auch das wunderschöne Cover) verheißen lassen. Denn wie die Hauptfigur auf der Insel Nil landet, ist doch eher unfreiwillig komisch: Sie wird auf einem Parkplatz von einer flimmernden Hitzewelle erfasst und wacht wenig später im Paradies auf. Dass es die 17-jährige Charlie dann recht mühelos schafft, auf dieser scheinbar verlassenen Insel tagelang alleine zu überleben, muss man dann ebenfalls einfach so hinnehmen. Interessant wird es erst, als das Mädchen auf ihre Leidensgenossen trifft und sie und die Leser mit den Spielregeln des Eilands vertraut gemacht werden: In unregelmäßigen Abständen landen Jugendliche durch Portale auf der Insel und haben genau ein Jahr Zeit, um diese durch ein weiteres Portal zu verlassen. Blöd nur, dass diese völlig willkürlich auftauchen, in einem Höllentempo durch die Landschaft fegen und sich nach Sekunden schon wieder schließen. Wer es in 365 Tagen nicht schafft, ein solches Tor zu erwischen, fällt im Prinzip tot um.

Wie „The Maze Runner“ auf einer Insel – nur nicht so packend…

„Nil“ hat mich beim Lesen sehr häufig an James Dashners „The Maze Runner“ erinnert, was vor allem am ähnlichen Setting (man ersetze lediglich das Labyrinth durch ein Inselparadies) liegt. Man hat keine Ahnung, was es mit der Insel auf sich hat und wer oder was für die Portale und die Todesfälle verantwortlich ist. Und auch die Bewohner erinnern ein wenig an Dashners Gladers. Regelmäßig werden Spürtrupps losgeschickt, welche die Insel nach Portalen absuchen, während der Rest sich um die Erhaltung des Camps kümmert. Die Ungewissheit des Szenarios erzeugt zwar Spannung, allerdings macht sich Lynne Matson einen ähnlichen Suchtfaktor wie bei „The Maze Runner“ durch unzählige Kopfschüttel-Momente selbst zunichte. So erschreckend es auch ist, dass Jugendliche um ihr Leben kämpfen müssen – die Dramatik rutscht ins Lächerliche ab, wenn diese zwischen Beerdigungen toter Kameraden und lebensgefährlicher Attacken seelenruhig Volleyball spielen oder im Meer surfen.

Zu dick aufgetragene Love-Story

Ein weiterer Knackpunkt ist die sich durch das gesamte Buch ziehende Romanze, die man wohl am besten mit „Insta-love at its best“ beschreiben kann. Okay, es sind extreme Bedingungen und die Autorin wird auch nicht müde zu erwähnen, das man aufgrund der ungewissen Zukunft den Moment leben müsse – aber dass zwei 17-Jährige sich auf den ersten Blick Hals über Kopf verlieben, sich dann ewige Treue schwören und immer wieder beteuern, dass sie den jeweils anderen ihr ganzes (17-jähriges!!!) Leben lang gesucht haben, ist dann doch etwas des Guten zu viel. Damit man das Liebesdilemma auch in vollen Zügen auskosten kann, darf neben Charley auch ihre große Liebe gleichberechtigt die Ereignisse auf Nil erzählen – und zwar ebenfalls aus der Ich-Perspektive, was häufig ein wenig für Verwirrung sorgt. Fairerweise muss man der Autorin aber auch zugestehen, dass das Pärchen in manchen Momenten dann schon recht niedlich ist und dass gerade der Schlussakt der Story wohl auch nicht funktionieren würde, wenn man diese Love-Story nicht total auf die Spitze treiben würde.

Zwischen Spannung und Kopfschütteln

Es fällt mir wirklich schwer, zu diesem Buch eine Wertung abzugeben. Einerseits fand ich das Setting toll, die Charaktere sympathisch und auch die Mysterien der Insel haben mich dann schon immer wieder zum Weiterlesen animiert – „Nil“ ist halt einfach kurzweilig und auch durchaus spannend. Dem gegenüber stehen jedoch unzählige Passagen, in denen man ob der schmalzigen Dialoge oder unfreiwillig albern wirkender Ereignisse einfach nur mit den Augen rollen möchte. Auch das aus meiner Sicht sehr unbefriedigende Ende sammelt nicht gerade Pluspunkte. Man kann mit „Nil“ wirklich Spaß haben und einige Stunden seichter Unterhaltung erleben – man sollte nur ein wenig Kitschtoleranz mitbringen und nicht unbedingt immer alles genau hinterfragen.

Fazit:
Unterhaltsamer YA-Survival-Thriller, der das reizvolle Setting aber nicht optimal ausnutzt und die Romanze zu sehr in den Fokus stellt (7/10).

Nil
Autorin: Lynne Matson; Umfang: 384 Seiten; Verlag: Henry Holt; Erscheinungsdatum: 4. März 2014; Preis: Gebundene Ausgabe 13,10 €/eBook 8,99 €.

Link zum Buch

 

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