[Gelesen] Mockingbird (Miriam Black #2) – Chuck Wendig

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Trotz ihrer besonderen Begabung und ihrer tragischen Vergangenheit versucht Miriam Black gemeinsam mit ihrem Freund, endlich ein normales Leben zu führen…

Nachdem Miriam Black und ihr Freund Louis nach einer brutalen Auseinandersetzung mit gnadenlosen Killern so gerade noch mit dem Leben davongekommen sind, wollen die beiden nun endlich einmal zur Ruhe kommen und ein halbwegs normales Leben ohne Mord und Totschlag führen. Besonders der gutmütige Louis sehnt sich nach trauter Zweisamkeit und einem festen Ankerpunkt in seinem Leben. So hat er von seinen Ersparnissen einen Wohnwagen gekauft und lebt mit Miriam nun in Long Beach Island, New Jersey, wo er ihr sogar eine feste Anstellung in einem Supermarkt beschafft hat.

Miriam Black und Normalität?

Allerdings ist Louis nach wie vor beruflich viel mit seinem Truck unterwegs und verbringt rund die Hälfte des Jahres auf der Landstraße, sodass Miriam meist auf sich alleine gestellt ist. Somit fehlt ihr die einzige Person, die ihr im Leben einen Halt geben kann, und der eintönige Job als Kassiererin füllt sie ebenfalls bei weitem nicht aus, zumal es häufig zu Auseinandersetzungen mit ihrer spießigen Vorgesetzten kommt. Es kommt also eines Tages, wie es kommen musste: Nach einem weiteren heftigen Streit schmeißt Miriam die Brocken hin und will der Langeweile und den äußeren Zwängen wie schon so oft in ihrem Leben entfliehen – als plötzlich die Hölle über sie hereinbricht…

Der zweite Band aus Chuck Wendigs Miriam-Black-Reihe

Chuck Wendigs „Blackbirds“ war für mich eines der absoluten Thriller-Highlights im Jahr 2013, was vor allem einen Grund hatte: Miriam Black, die Hauptfigur der Geschichte. Diese ist nämlich alles andere als eine langweilige 08/15-Protagonistin, sondern strotzt nur so vor lauter Ecken und Kanten. Sie flucht ohne Ende, säuft, raucht, ist äußerst freizügig und schert sich einen Dreck darum, was andere von ihr denken. Alles in allem mag das vielleicht nicht unbedingt besonders sympathisch sein, es ist aber in jedem Falle äußerst unterhaltsam – zumal Miriam nicht nur verbal ordentlich austeilen kann, sondern auch handfesten Auseinandersetzungen äußerst selten aus dem Weg geht. Als wären diese Charaktereigenschaften für einen Roman noch nicht interessant genug, verfügt Miriam darüber hinaus auch noch über eine besondere Fähigkeit: Berührt sie eine andere Person mit direktem Hautkontakt, so sieht sie in einer kurzen Vision deren Tod und weiß somit genau, wann und wie ihr Gegenüber ums Leben kommen wird. Da diese Bilder nicht immer angenehm sind und sie dadurch auch viel Leid miterleben musste, hat ihre „Gabe“ bei ihr in all den Jahren ebenfalls Spuren hinterlassen und ist für einen Großteil ihrer unangepassten Lebensweise mit verantwortlich.

Blutige Serienkillerjagd statt braves Hausfrauendasein

Mit dem Ende von „Blackbirds“ schien es so, als würde die ständige Ruhelosigkeit und das Leben voller Gewalt, Gefahren und Enttäuschungen für Miriam endlich ein Ende haben, da sie in dem Trucker Louis endlich einen Menschen gefunden zu haben scheint, der sie trotz ihrer Macken im Prinzip bedingungslos liebt. Wer den Vorgänger aber gelesen hat, kann sich bestimmt vorstellen, dass Miriam Black für das Leben als brave Hausfrau nun wahrlich nicht geschaffen ist und es somit keine große Überraschung ist, dass ihr letztlich der Kragen platzt. Dies ist nun die Ausgangssituation von „Mockingbird“, dem zweiten Band der (laut Chuck Wendig) auf sechs Bücher ausgelegten Reihe. An dieser Stelle muss ich zur Abwechslung auch mal einen Verlag für seinen Klappentext loben, denn dieser beschreibt gerade mal die ersten beiden (kurzen) Kapitel und nimmt dadurch so gut wie nichts von der Handlung vorweg.

Packende Story und düstere Atmosphäre

Ich war somit sehr gespannt, was mich in der Fortsetzung erwarten würde, zumal ich die etwas zu simpel gestrickte Storyline bei „Blackbirds“ für mich als einzigen wirklichen Kritikpunkt angesehen hatte. Glücklicherweise konnte sich Chuck Wendig hier aber deutlich steigern und liefert nun eine packende und originelle Serienkiller-Geschichte ab, die nicht nur höllisch spannend ist, sondern die Leser ein weiteres Mal tief in die menschlichen Abgründe zieht. Nicht zuletzt aufgrund der wieder einmal sehr düsteren Atmosphäre konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen und war von der Handlung total gefesselt. Auch Miriams Visionen werden nun meiner Meinung nach viel dosierter und gezielter eingesetzt und bieten nicht mehr nur zahlreiche mehr oder weniger schreckliche Todesszenen, sondern sind für die Story auch wirklich wichtig, sodass der Erzählfluss im Gegensatz zum Vorgänger kaum noch unterbrochen wird. Darüber hinaus gibt es natürlich auch wieder die gewohnten Flashbacks und Zwischenspiele, die mehr über Miriams Vergangenheit verraten und die Charakterzeichnung weiter voranbringen.

Noch besser als „Blackbirds“

Somit konnte mich „Mockingbird“ eigentlich fast restlos überzeugen und hat mir somit sogar noch besser gefallen als „Blackbirds“. Spannende Story, düstere Atmosphäre und eine erneut faszinierende und amüsant-vulgäre Hauptfigur – wer Lust auf einen harten und ungewöhnlichen Thriller hat, ist bei Miriam Black genau richtig. Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf den dritten Band „The Cormorant“, der pünktlich zum Jahreswechsel erscheint und den ich seit Monaten vorbestellt habe.

Fazit:
Starke Fortsetzung der Miriam-Black-Reihe, die neben der außergewöhnlichen Hauptfigur diesmal auch mit einer hochspannenden Story überzeugen kann (9/10).

Mockingbird
Autor: Chuck Wendig; Deutscher Titel: Blackhearts; Umfang: 392 Seiten; Verlag: Angry Robot; Erscheinungsdatum: 28. August 2012; Preis: Taschenbuch 6,22 €/eBook 5,76 €.

Link zur englischen Ausgabe
Link zur deutschen Ausgabe

3 responses to this post.

  1. Hallo!

    Muss ich haben! Nachdem ich gerade ‚Blackbirds‘ beendet habe steht diese Buch schon längst auf meiner WL 🙂
    Tolle Rezension, wie immer!
    Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
    Janice

    Antworten

    • Wenn dir „Blackbirds“ gefallen hat, wirst du den zweiten Band bestimmt auch mögen.

      Ich hoffe Teil 3 trudelt langsam mal bei mir ein, damit ich endlich weiterlesen kann 😀

      Antworten

  2. […] unterhaltsamer Miriam-Black-Reihe und setzt wie die beiden Vorgänger “Blackbirds” und “Mockingbird” zunächst voll auf die Marotten der unkonventionellen Hauptfigur. Für alle, die Miriam noch nicht […]

    Antworten

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