[Gelesen] Find Me (Find Me #1) – Romily Bernard

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Eine junge Schülerin nimmt sich überraschend das Leben. Ihre ehemals beste Freundin erhält das Tagebuch des Mädchens – und macht dort eine erschreckende Entdeckung…

Wicket Tate hat trotz ihrer gerade mal 16 Jahre bereits ein bewegtes Leben hinter sich: Ihre Mutter beging vor vier Jahren Selbstmord und ließ sie und ihre 11-jährige Schwester Lily mit einem kriminellen Vater zurück, der sein Geld mit Drogengeschäften und Betrügereien verdiente. Als sich die Schlinge um Wicks Vater immer mehr zuzog, ergriff dieser die Flucht – und die beiden Mädchen standen plötzlich ganz ohne Eltern da. Nach einigen unangenehmen Aufenthalten bei Pflegefamilien scheinen sie bei den Callaways nun aber endlich eine neue Familie gefunden zu haben.

Eine 16-jährige Hackerin untersucht den Selbstmord ihrer Freundin

Wick kann trotz der neuen Umgebung aber noch nicht mit ihrer Vergangenheit abschließen, denn das Haus ihrer Pflegeeltern wird Nacht für Nacht von dem misstrauischen Detective Carson beobachtet – vorrangig unter dem Vorwand, dass dieser sich durch die Observierung Hinweise auf den Aufenthaltsort von Wicks leiblichem Vater erhofft. Sie selbst hegt jedoch den Verdacht, dass Carson es vor allem auf sie und ihre heimlichen Hacker-Aktivitäten abgesehen hat, mit denen sie sich finanziell über Wasser hält. Als sie dann eines Morgens das Tagebuch ihrer früheren Freundin Tessa Waye findet, die fast zur gleichen Zeit in den Tod springt, sind jedoch genau diese Fähigkeiten gefragt – denn alles deutet darauf hin, dass Tessa von einem Unbekannten in den Selbstmord getrieben wurde…

Debütroman von Romily Bernard und Trilogie-Auftakt

„Find me“ ist der Debütroman der US-Autorin Romily Bernard und gleichzeitig der Auftakt einer YA-Thriller-Trilogie, in deren Mittelpunkt die 16-jährige Wicket „Wick“ Tate steht. Diese hat nach einer turbulenten Kindheit mit einem Drogen-dealenden Vater und dem Selbstmord ihrer Mutter nun endlich die Aussicht auf ein normales Leben fernab von Angst und Kriminalität. Mit Bren und Todd Calloway haben sie und ihre Schwester die perfekten Pflegeeltern gefunden, die sich rührend und liebevoll um die beiden Mädchen kümmern und dabei sehr behutsam vorgehen. Beide wissen aber nicht, dass Wick selbst in kriminelle Machenschaften verstrickt ist, denn sie spioniert im Internet im Auftrag von betrogenen Frauen fremdgehende Männer aus und legt sich durch diese kleinen Jobs eine finanzielle Reserve an – da sie immer noch mit der Angst lebt, dass ihre neue heile Welt wie eine Seifenblase zerplatzt und die beiden Mädchen entweder von den Pflegeeltern wieder abgewiesen werden oder sich ihr Vater erneut in ihr Leben drängt.

Sympathische und glaubwürdige Charaktere

Obwohl auf den ersten 100 Seiten von „Find me“ noch nicht unbedingt wirklich viel passiert, gelingt es Romily Bernard dennoch von Anfang an, eine gewisse Spannung zu erzeugen – zum einen durch die Unsicherheit Wicks, möglicherweise doch wieder in ihr früheres Leben zurückzumüssen, aber auch durch die ständige Präsenz des Detectives, der Wick auf Schritt und Tritt beobachtet und dessen wahre Motivation nicht ganz klar ist. Zudem nutzt die Autorin das erste Romandrittel, um den Leser mit den Charakteren vertraut zu machen, die – bis auf den zwielichtigen Carson – alle unglaublich sympathisch sind, sei es die jugendliche Protagonistin, ihre aufgeweckte Schwester Lily oder die fürsorglichen und verständnisvollen Pflegeeltern. Das Zusammenspiel dieser Figuren funktioniert hervorragend und vor allem auch glaubwürdig, da die Gefühle der Hauptfigur sehr überzeugend und realistisch dargestellt werden und man sich dadurch leicht mit Wick identifizieren kann.

Cleverer Spannungsaufbau

Nach dieser Einführungsphase nimmt dann auch die Story spürbar Fahrt auf und dem Selbstmord von Tessa Waye kommt eine immer größere Bedeutung zu. Durch den Besitz des Tagebuchs und die dadurch gewonnenen Hinweise reift in Wick immer mehr die Erkenntnis, dass hinter Tessas Suizid mehr steckt, als alle vermuten. Hier geht die Autorin beim Spannungsaufbau sehr clever vor, denn bis auf sehr kurze und chronologisch wild durcheinander gewürfelte Zitate gibt es im gesamten Roman keinen Auszug aus dem Tagebuch zu lesen, sodass man sich als Leser aus diesen kurzen Satzfetzen selbst ein Bild über den Seelenzustand der Verstorbenen bilden muss. Dies macht schnell neugierig auf mehr und durch die insgesamt relativ kurzen Kapitel fliegt man förmlich durch das Buch, da die Geschichte wirklich sehr kurzweilig erzählt wird.

Manchmal etwas klischeehaft und vorhersehbar

Da wir es hier mit einem Young-Adult-Thriller zu tun haben, der sich vorrangig an eine etwas jüngere Zielgruppe richtet, kommt man auch hier nicht mit ein paar Genre-typischen Klischees aus. So gibt es natürlich auch hier die obligatorische Romanze, die zwar manchmal etwas plump erzählt wird, letztlich dann aber doch ganz niedlich ist und nur im Mittelteil kurz einmal etwas kitschig wird – das lässt sich aber verschmerzen, da kurz danach der Fokus wieder auf die Hauptstory gerichtet wird und die Spannung noch einmal deutlich ansteigt. Und auch wenn man als erfahrener Thriller-Leser relativ früh ahnt, wie der Hase läuft, versetzt einem die Auflösung dann dennoch den beabsichtigten Schock, von dem man sich kurz erst einmal erholen muss. Der etwas durchschaubare Storytwist tut dem Nervenkitzel aber auch keinen Abbruch und geht nahtlos in ein dramatisches Finale über. Da „Find Me“ der Auftakt der Wick-Tate-Serie ist, hatte ich zunächst die Befürchtung, dass das Buch keinen zufriedenstellenden Abschluss bieten würde, hier kann ich aber Entwarnung geben: Die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Allerdings ist mir noch nicht ganz klar, wie die Reihe mit dem nächsten Band („Remember me“, erscheint im Herbst 2014) weitergehen soll, denn der im letzten Absatz angedeutete Übergang wirkt eher etwas müde und bemüht.

Guter YA-Thriller, der Lust auf mehr macht

Man sollte an „Find Me“ keine überzogenen Ansprüche haben und hier einen unglaublich komplexen und tiefgehenden Thriller erwarten – das ist der Roman definitiv nicht. Wick Tate ist aufgrund ihres Hacker-Daseins auch noch lange keine zweite Lisbeth Salander, dafür fehlen ihr trotz der kriminellen Einflüsse einfach noch ein paar Ecken und Kanten. Auch das Hacken selbst findet im Buch eher oberflächlich statt und beschränkt sich vorrangig auf das Ausspionieren von Facebook-Profilen oder dem Zurückverfolgen von IP-Adressen – also kein komplizierter Hokuspokus, für dessen Verständnis man größere Computerkenntnisse bräuchte. Davon abgesehen bietet Romily Bernards Erstling aber wirklich kurzweilige und vor allem spannende Unterhaltung mit einer sympathischen und glaubwürdigen Hauptfigur, einem guten und wendungsreichen Plot und einer netten Lovestory, die es zwar nicht unbedingt gebraucht hätte, die aber auch niemandem wehtut. Ich habe mich jedenfalls durchweg gut unterhalten gefühlt und freue mich bereits auf ein Wiedersehen mit Wick Tate in „Remember me“.

Fazit:
Spannender YA-Thriller mit wendungsreicher Story und sympathischen Charakteren (8/10).

Find me
Autorin: Romily Bernard; Umfang: 320 Seiten; Verlag: HarperTeen; Erscheinungsdatum: 24. September 2013; Preis: Gebundene Ausgabe 12,80 €/eBook 5,86 €.

Link zum Buch

One response to this post.

  1. […] am Monatsanfang eingetrudelt und ich habe das Buch auch bereits gelesen und für gut befunden (Rezension). “The 5th Wave” von Rick Yancey stand bei mir schon seit Erscheinen des Buches auf der […]

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