[Gelesen] Asylum – Madeleine Roux

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Der 16-jährige Dan Crawford erhofft sich mit seiner Teilnahme an einem Förderprogramm einen lehrreichen Sommer, doch das College-Gelänge beheimatet einige unangenehme Geheimnisse, die besser unentdeckt bleiben…

Dan Crawford freut sich tierisch auf seinen fünfwöchigen Aufenthalt am New Hampshire College, wo er zur Vorbereitung auf seine Collegezeit seine Geschichtskenntnisse noch weiter verbessern will. Und seine Vorfreude scheint gerechtfertigt, denn endlich trifft er auf Gleichgesinnte, die sich ebenso wissbegierig wie er in ihre Fortbildungskurse stürzen, und findet in der Kunststudentin Abby und dem Mathe-Freak Jordan schnell neue Freunde, mit denen er fast seine gesamte Freizeit verbringt.

College-Vorbereitung auf dem Gelände einer ehemaligen Irrenanstalt

Es könnte alles perfekt sein, wenn die Sommerschüler aufgrund von Renovierungsarbeiten nicht im alten Brookline-Gebäude untergebracht wären, in dem vor vielen Jahren eine Psychiatrische Klinik ihren Sitz hatte und das nun vorübergehend die Schlafsäle für die Jugendlichen beheimatet. Zunächst sind Dan, Abby und Jordan noch fasziniert von der gruseligen Ausstrahlung der ehemaligen Irrenanstalt und erforschen heimlich den Keller des Gebäudes. Was sie dort jedoch zwischen verstaubten Akten und und unheimlichen Fotografien finden, lässt sie daran zweifeln, ob das New Hampshire College wirklich der beste Ort ist, um sich für ihr Studium vorzubereiten…

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Beim ersten Blick auf die Printausgabe von Madeleine Roux‘ neuem YA-Thriller „Asylum“ fällt sofort der schön gestaltete Schutzumschlag auf, der mit dem düsteren und verzerrten Bild eines Mädchens und verstörenden Fotos einer psychiatrischen Anstalt für Aufmerksamkeit sorgt. Blättert man dann ein wenig durch die Seiten des Buches, springem einem direkt die vielen Fotos ins Auge, die zum einen die 37 Kapitel einleiten und darüber hinaus durch zum Text passende Abbildungen die Handlung unterstützen. Wie extra darauf hingewiesen wird, zeigen viele der Fotos sogar real existierende Sanatorien, sodass man schon einmal schön auf die Geschichte eingestimmt wird. Der optische Eindruck des Buches kann also als sehr gelungen bezeichnet werden und erinnert stark an „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ von Ransom Riggs.

… innen pfui

Liest man dann aber die ersten Seiten von „Asylum“, beschleicht einen schnell ein ungutes Gefühl – nicht etwa, weil der Einstieg in die Story sehr unheimlich ausfällt, sondern weil man den Eindruck gewinnt, dass man es hier mit einem sehr bemüht wirkenden Versuch zu tun hat, auf Teufel komm raus eine creepige Stimmung zu erzeugen. Dies beginnt schon bei der Ankunft am New Hampshire College, bei der sich die Hauptfigur bei ihrem ersten Blick auf das mitgenommene Brookline-Gebäude fast in die Hose macht und zeigt sich auch beim ersten Kontakt der Jugendlichen mit der Geschichte der Klinik, nämlich als Dan, Abby und Jordan sich in den Keller des Gebäudes schleichen, wo die alten Unterlagen der Anstalt seit Jahren verstauben – natürlich nachdem Dan beim Bezug seines Zimmers zunächst einmal über eine „total unheimliche“ alte Fotografie gestolpert ist. Nun könnte das Asylum-Setting an sich zwar eigentlich tatsächlich durchaus unheimlich sein, wenn sich drei Teenager aber schon einnässen, weil sie nicht sicher sind, ob sie einen verbotenen Gebäudetrakt betreten dürfen, sorgt das nur bedingt für gruselige Stimmung und wirkt dezent stark übertrieben.

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Unsympathische und dämliche Charaktere

Überhaupt wirkt in Madeleine Roux‘ Geschichte vieles (wenn nicht alles) wie gewollt und nicht gekonnt. So ist Dan schon nach einem Tag von dem Ort stark verunsichert, hat aber immerhin bereits zwei Freunde fürs Leben gefunden, von denen er in den weiblichen Part auch noch direkt unsterblich verliebt ist – fehlt eigentlich nur noch, dass der schwule Jordan ähnlich starke Gefühle für Dan entwickelt, doch zumindest das bleibt den Lesern glücklicherweise erspart. Dazu kommt noch, dass weder Dan noch Abby und Jordan sonderlich sympathisch wirken und für hohe Identifikation mit den Charakteren sorgen. Leider hat sich Roux dann auch noch den Langweiligsten aus dem Trio als Hauptfigur herausgepickt, denn mit Dan Crawford konnte ich so gut wie überhaupt nichts anfangen und habe mich beim Lesen ständig über dessen Naivität und Dummheit aufgeregt. Welcher 16-Jährige glaubt denn bitte ernsthaft an die Existenz von „data ghosts“ – Überbleibseln der Seelen Verstorbener in technischen Geräten, die dann per E-Mail mit den Lebenden kommunizieren wollen? So ein Schwachsinn lässt sich vielleicht leichtgläubigen 4-8-Jährigen vorsetzen, ist aber bereits für Leser im Teenie-Alter eine Beleidigung der Intelligenz.

Nicht mal im Ansatz gruselig

Zu allem Überfluss bietet „Asylum“ dann noch eine Liebesgeschichte, die C.J. Daughertys „Night School“-Reihe starke Konkurrenz um den Titel für die „nervigste Teenie-Romanze“ bietet. Ständig gibt es wegen völlig banalen Dingen emotionale Höhen und Tiefen, die jedoch ebenfalls alle sehr künstlich herbeigeführt werden und jeden Hauch unheimlicher Atmosphäre im Keim ersticken. Der Roman ist nämlich zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise gruselig und gerade in der Mitte des Buches fast schon quälend langweilig, weil man sich dann nicht einmal mehr über dumme Szenen oder bescheuerte Charaktere aufregen kann, da in dieser Phase nämlich wirklich gar nichts mehr passiert. Immerhin sorgen die vielen Abbildungen dafür, dass man relativ schnell durch das Buch kommt und dadurch zügig auf das Ende hinsteuert, welches dann (wie zu befürchten war) für einen weiteren Tiefpunkt sorgt. Nicht nur dass die Auflösung alles andere als unvorhersehbar ist, sie wird auch noch richtig schlecht erklärt und sorgt nicht im geringsten für einen versöhnlichen Abschluss der Geschichte. Da freut man sich doch umso mehr, dass es Madeleine Roux nicht bei diesem missglückten Versuch belässt, sondern bereits an einer Fortsetzung arbeitet (Achtung Ironie!).

Was lässt sich Positives an „Asylum“ finden? Nun, optisch ist das Buch wie erwähnt wirklich gelungen, der Schreibstil ist auch noch recht passabel, das Setting ist zumindest ansatzweise interessant und ganz selten findet sich im Roman doch die ein oder andere Stelle, die zumindest ein wenig neugierig auf den Fortgang der Geschichte macht. Letztlich kann sich „Asylum“ aber bei literarischen Voll-Katastrophen wie B.C. Schillers „Psycho Shots“ oder Alexander Broichers „Fakebook“ bedanken, dass die Wertung noch vergleichsweise milde ausfällt, denn so enttäuschend Madeleine Roux‘ Roman auch ist – es geht tatsächlich noch deutlich schlechter.

Fazit:
Auf ganzer Linie enttäuschender Teenie-Horror, bei dem die öde Story, weinerliche Charaktere und eine sehr nervige Romanze die einzigen Gründe zum Gruseln sind (4/10).

Buchcover
Autorin: Madeleine Roux; Umfang: 320 Seiten; Verlag: HarperCollins; Erscheinungsdatum: 20. August 2013; Preis: Gebundene Ausgabe 12,80 €/eBook 5,28 €.

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