[Gelesen] Sterbenswort – Siegfried Langer

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10 Jahre ist es her, dass Kathrins damaliger WG-Mitbewohner unter dubiosen Umständen ums Leben kam. Nun scheint es, als wäre Erik von den Toten auferstanden, um ihr das Leben zur Hölle zu machen…

Damals lief eine spontane WG-Party der Studenten Kathrin, Erik, Amelie, Heinrich und Thomas völlig aus dem Ruder und endete mit dem toten Erik auf dem Boden der gemeinsamen Wohnung. Um sich durch den „Vorfall“ ihre Zukunft nicht zu ruinieren und die Chance auf eine vielversprechende Karriere zu verbauen, verbündeten sich die verbliebenen Freunde und vertuschten die wahren Ereignisse, indem sie Eriks Leichnam von der nächsten Brücke und vor einen fahrenden Zug warfen. Der Plan ging auf: Die Polizei nahm wie erwartet an, dass der Student Selbstmord begangen habe und legte den Todesfall damit zu den Akten.

Wird Kathrin von einem Geist terrorisiert oder sinnt ihr totgeglaubter Studienfreund nach Rache?

Zehn Jahre später ist Kathrin Voss erfolgreiche Ärztin und alleinerziehende Mutter der vierjährigen Mia. Allerdings häufen sich in letzter Zeit in ihrer Wohnung einige seltsame Vorfälle. Gegenstände wie eine Fernbedienung, ein Apfel oder Kathrins Handcreme verschwinden plötzlich und tauchen an ungewöhnlichen Stellen wieder auf. Kathrin vermutet zunächst Streiche ihrer kleinen Tochter, jedoch kommt diese an manche der Stellen, an denen die Objekte platziert wurden, mit ihrer geringen Körpergröße überhaupt nicht heran. Auch ihr Ex-Freund, der immer noch einen Schlüssel zur Wohnung besitzt, kommt aufgrund einer Reise nicht als Verursacher in Betracht. Richtig unheimlich wird die Angelegenheit dann aber, als Mia im Kindergarten von einem fremden Mann angesprochen wird, der sich ihr mit dem Namen ihres verstorbenen Studienfreundes vorstellt…

Siegfried Langers zweiter Thriller

„Sterbenswort“ ist nach „Vater, Mutter, Tod“ der zweite Thriller des deutschen Autors Siegfried Langer und verschwendet kaum Zeit auf ruhiges Vorgeplänkel. Nach dem knappen Prolog, der von einer offenbar entführten Mia berichtet, springt Langer direkt zur verhängnisvollen Nacht von vor einigen Jahren. Der Leser verfolgt vier Studenten, eine davon die spätere Protagonistin Kathrin Voss, dabei, wie sie die Leiche ihres Freundes Erik durch die Straßen schleppen und sie schließlich über eine Brücke vor einen fahrenden Zug werfen. Wie es aber genau zu Eriks Tod gekommen ist, darüber wird man zunächst noch im Unklaren gelassen.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Im folgenden wechselt der Autor dann kapitelweise zwischen „Damals“ und „Heute“, wobei der Schwerpunkt eher auf der Gegenwart liegt. Wir begleiten Kathrin Voss bei ihren beunruhigenden Entdeckungen und ihren Erklärungsversuchen, denen sie jedoch selbst keinen großen Glauben schenkt – es muss jemanden geben, der heimlich in ihre Wohnung eindringt und sie mit den umgestellten Gegenständen in den Wahnsinn treiben will. Als sich dann auch noch der geheimnisvolle Fremde in Mias Kindergarten als Erik ausgibt, scheint klar, dass Kathrin von dem tragischen Ereignis in ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

Spannend geschrieben, aber ohne viel Tiefgang

Während Siegfried Langer kontinuierlich die Spannungsschraube anzieht, lüftet er für den Leser auch nach und nach den Schleier über der verhängnisvollen Nacht, in der Erik ums Leben kam. Hierbei geht er nicht unbedingt chronologisch vor, sondern schildert meist kurze Episoden, die gerade zur aktuellen Entwicklung in Karis Leben passen. Das macht das Textverständnis sehr einfach, fordert aber durch die enorme Hilfestellung nicht unbedingt die Ermittlerfähigkeiten des Publikums. Auch die Figuren sind eher schablonenartig angelegt und bestechen nicht gerade durch detaillierte Charakterisierungen. Langer liefert meist nicht mehr Informationen als unbedingt nötig, was zwar für eine recht knackige Erzählung sorgt, aber eben auch jede Art von Tiefgang schon im Keim erstickt. Gleiches gilt für den Schreibstil, der insgesamt doch sehr schlicht gehalten ist und den Eindruck eines reinen Unterhaltungsromans noch weiter verstärkt.

Leider etwas anspruchslos und vorhersehbar

So ist „Sterbenswort“ dann zwar auch sehr kurzweilig, aber auch irgendwie ohne große Besonderheit. Als geübter Krimi- und Thrillerleser kommt man relativ früh hinter die Lösung der Geschichte, was angesichts des beschränkten Personenkreises und der doch recht simpel konstruierten Story aber auch nicht allzu schwierig ist. Das Ende wirkt zudem etwas überhastet und der finale Showdown erstreckt sich gerade mal über vier Seiten – der große Nervenkitzel mag hierbei kaum aufkommen. Vielleicht hätte der Autor ein wenig mehr Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Leser haben und die Hinweise nicht ganz so offensichtlich verteilen sollen, dann wäre die Story sicherlich packender und reizvoller gewesen. Somit hinterlässt das Buch letztlich einen gemischten Eindruck: Einerseits ist „Sterbeswort“ zwar durchaus spannend und unterhaltsam, andererseits aber auch eben sehr vorhersehbar und weitestgehend anspruchslos.

Fazit:
Spannender, aber storytechnisch und sprachlich sehr simpel gestrickter Roman, der vorrangig leichte und leider auch etwas vorhersehbare Thriller-Unterhaltung bietet (6/10).

Buchcover
Autor: Siegfried Langer; Umfang: 336 Seiten; Verlag: List Taschenbuch; Erscheinungsdatum: 03. Juli 2012; Preis: Taschenbuch 8,99 €/eBook 7,99 €.

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