Dead simple (Roy Grace #1) – Peter James (Roman)

Buchcover
Autor: Peter James
Umfang: 468 Seiten
Verlag: Pan Macmillan
Erscheinungsdatum: 05. November 2005
Deutscher Titel: Stirb ewig
Preis: Taschenbuch ca. 10,00 €/eBook ca. 6,00 €

Klappentext:
It was meant to be a harmless stag night prank. A few hours later four of his best friends are dead and Michael Harrison has disappeared. With only three days to the wedding, Detective Superintendent Grace – a man haunted by the shadow of his own missing wife – is contacted by Michael’s beautiful, distraught fiancee, Ashley Harper. Grace discovers that the one man who ought to know Michael Harrison’s whereabouts is saying nothing. But then he has a lot to gain – more than anyone realizes. For one man’s disaster is another man’s fortune…Dead simple…

Meine Buchbesprechung:
Michael Harrison lebt auf der Sonnenseite des Lebens. Mit 28 Jahren hat er bereits ein erfolgreiches Immobilienunternehmen und sein gutes Aussehen und sein angeborener Charme sorgen bereits seit seiner Jugend dafür, dass er auch bei den Frauen sehr beliebt ist. In wenigen Tagen ist es aber vorbei mit der Ungebundenheit, denn dann wird er seine bezaubernde Verlobte Ashley heiraten, die mindestens genauso perfekt ist wie Michael selbst. Vorher muss der zukünftige Bräutigam aber noch den obligatorischen Junggesellenabschied über sich ergehen lassen – und der hat es wirklich in sich. Da Michael seinen Freunden bei früheren ähnlichen Anlässen schon oft übel mitgespielt hat, soll auch sein „letzter Abend in Freiheit“ ein ganz besonderes Ereignis werden.

Ein missratener Junggesellenabschied mit verheerenden Folgen

Alles beginnt zunächst harmlos mit einer standesgemäßen Kneipentour, bei welcher der sonst so gewissenhafte Michael von seinen Kumpels kräftig abgefüllt wird. Als der Jungunternehmer dann kaum noch aufrecht gehen kann, verfrachten ihn seine ebenfalls angetrunkenen vier Freunde in ihren Van und fahren raus aufs Land, wo eine ganz besondere Überraschung auf Michael wartet. Ohne sich wehren zu können, wird er aus dem Auto gezerrt und in einen Sarg gepackt, der daraufhin in ein tiefes Grab hinabgelassen und mit Erde bedeckt wird. Ausgerüstet nur mit einer Flasche Whisky, einer Taschenlampe, einem Walkie-Talkie und einem Pornoheft soll er dort den Schrecken seines Lebens bekommen, bis ihn seine Jungs nach zwei Stunden wieder aus seinem gruseligen Gefängnis holen. Als Michaels Freunde jedoch wegfahren, um ihre Kneipentour in der Zwischenzeit fortzusetzen, macht sich der Alkoholkonsum fatal bemerkbar. Der Fahrer verliert die Kontrolle über das Fahrzeug und kracht mit einem Lkw zusammen: drei Insassen sterben, der vierte landet mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus – und niemand sonst weiß von Michaels einsamen Grab…

Alles was schief gehen kann, geht auch tatsächlich schief

Dass ein Junggesellenabschied auch schon einmal kräftig in die Hose gehen kann, weiß man spätestens seit den beiden „Hangover“-Filmen mit Bradley Cooper, Zach Galifianakis und Co. Doch verglichen mit dem Schicksal von Michael Harrison wirken selbst diese Party-Katastrophen wie ein Kindergeburtstag. Eben jener wird nämlich von seinen Freunden lebendig begraben, und weil diese anschließend im Alkoholrausch einen tödlichen Verkehrsunfall haben, ist Michael hilflos seinem Schicksal ausgeliefert. Zwar wird er über ein Atemrohr permanent mit Frischluft versorgt, doch wenn in den nächsten Stunden niemand von seinem Aufenthaltsort erfährt, wird sein Spaß-Grab tatsächlich zu seiner letzten Ruhestätte werden. Peter James, der sich bis zu seinem Erfolg als Schriftsteller vor allem als Filmproduzent und Drehbuchautor einen Namen gemacht hat, reißt seine Leser schon direkt zu Beginn mit aller Macht in die Geschichte hinein. Bereits als Michaels Sarg in die ausgehobene Grube hinabgelassen wird, ahnt man schon, dass dieser makabre Streich vermutlich kein gutes Ende nehmen wird. Wenig später folgt die traurige Gewissheit in Form des fatalen Crashs und man fragt sich, wie der Bräutigam je wieder aus dem Loch herauskommen soll. Das alleine wäre ja schon spannend genug, doch James belässt es bei weitem nicht dabei, sondern versetzt seinem Publikum und der bemitleidenswerten (vorübergehenden) Hauptfigur fast im Minutentakt weitere Nackenschläge. Immer wieder lässt er Hoffnungen auf einen glücklichen Ausgang aufkommen, nur um diese dann brutal zu zerstören. So hat Michael z.B. mit seinem Handy natürlich in der Einöde keinen Empfang und das Walkie-Talkie seiner verunglückten Freunde landet ausgerechnet in den Händen des zurückgebliebenen Sohns des Abschleppunternehmers, der mit den verzweifelten Hilferufen des Opfers nicht umgehen kann.

DSI Roy Grace: Gewissenhafter Ermittler mit Hang zum Paranormalen

Die Spannung ist also schon nach wenigen Seiten auf dem Siedepunkt – und da hat die eigentliche Hauptfigur, Detective Superintendent Roy Grace, noch gar nicht richtig stattgefunden. Der hat auch erst einmal andere Sorgen und muss vor Gericht in einem aufsehenerregenden Mordprozess aussagen, welcher aufgrund von Graces zuweilen ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden einen unangenehmen Verlauf nimmt. Seit nämlich vor neun Jahren seine Ehefrau spurlos verschwand, hat der Polizist eine sehr offene Einstellung gegenüber Hellsehern und Wahrsagern. Suchte er bei ihnen zunächst Informationen über den Verbleib seiner Frau, hat er in den letzten Jahren auch bei so manchen Fällen inoffiziell auf deren Unterstützung zurückgegriffen – mit überraschendem Erfolg, was maßgeblich zu seiner steilen Karriere beigetragen hat. Als wegen dieser Methoden aber nun plötzlich der scheinbar bombensichere Prozess zu kippen droht, sieht sich Roy Grace dem massiven Druck seiner Vorgesetzten ausgesetzt und steht fortan unter strenger Beobachtung. Ausgerechnet dann bittet ihn sein bester Freund, Detective Sergeant Glenn Branson, um Mithilfe: Er werde seit zwei Tagen von einer aufgelösten jungen Frau bedrängt, die ihren Verlobten vermisse – und weil Branson bei der Sache ein ungutes Gefühl habe, würde er gerne eine zweite professionelle Meinung zu dem Fall hören.

Unglaublich spannend, wendungsreich und (fast) ganz ohne Blutvergießen

Man könnte den Eindruck bekommen, ich würde mit meinen Ausführungen bereits die Hälfte des Buches vorweggenommen haben, doch keine Sorge: All diese Ereignisse passieren innerhalb der ersten 50 Seiten – und in genau dem halsbrecherischen Tempo geht es auch auf den restlichen 400 Seiten zu. Peter James hat sich für den ersten Fall seines Ermittlers Roy Grace eine fast schon unverschämt spannende Geschichte einfallen lassen, die vor schockierenden Wendungen und überraschenden Enthüllungen nur so strotzt. Immer wenn man denkt, man wisse langsam aber sicher wie der Hase läuft, zaubert James ein neues Ass aus dem Ärmel, was das bisher Gelesene in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Die Story ist viel komplexer und verzwickter, als es zu Beginn den Anschein hat und es ist verblüffend, wie all das aus einem simplen „stag-night prank“ (also einem Junggesellenabschieds-Streich) entstehen konnte. Was beinahe ebenso überraschend und gleichermaßen erfrischend ist: Peter James kommt in seinem Thriller fast komplett ohne Gewalt aus, und bis auf den tragischen Unfalltod von Michaels Freunden kommt lange Zeit auch niemand zu Schaden. Wie der Autor aber praktisch ohne ein richtiges Verbrechen eine solche mitreißende Geschichte konstruiert, verdient höchsten Respekt.

Tolle Ermittlerfigur, trockener Humor

Auch der Protagonist ist einfach klasse: Roy Grace trägt zwar auch das fast schon obligatorische tragische Schicksal durch das Verschwinden seiner Frau mit sich herum, dies wird aber nicht so breitgetreten, dass Grace ständig als depressives Wrack daherkommt – im Gegenteil. Der DSI geht sehr verbissen und motiviert an den Fall heran und schreckt dabei auch nicht davor zurück, seinen Freunden und Kollegen ein freies Wochenende zu versauen, um schnellstmöglich an essentielle Ergebnisse zu gelangen. Dabei wirkt er aber stets sympathisch und gerecht, und auch sein Hang zum Paranormalen erscheint keinesfalls befremdlich, wie man es vielleicht erwarten könnte. Peter James, der sich selbst sehr für Übersinnliches interessiert, setzt diese Szenen äußerst wohldosiert ein und integriert diese mit bemerkenswerter Leichtigkeit in den jederzeit realistischen Plot. Unbedingt festgehalten werden muss auch noch der sensationelle Cop-Humor, den der Autor en masse in seinen Dialogen untergebracht hat und der bei aller Tragik für so manchen Schmunzler sorgt.

Schlussfazit:
„Dead simple“ von Peter James ist über mehr als 400 Seiten ein in jeder Hinsicht perfekter Thriller: Unglaublich spannend, überraschend, dramatisch, mitreißend, tolle Hauptfigur – und das alles mit einfachsten Mitteln, ohne Mord und Totschlag und deftiges Blutvergießen. Dabei ist die Story keinesfalls „dead simple“, also kinderleicht, denn was der Autor aus der so einfachen Ausgangssituation entwickelt, ist absolut bemerkenswert und weit mehr, als ich nach dem Lesen des Klappentextes erwartet hätte.

Ein fast perfekter Thriller

Trotzdem schrammt das Buch haarscharf an der Höchstwertung vorbei und das liegt einzig und allein an den letzten 50 Seiten. Bitte nicht falsch verstehen: Auch das Ende ist gut, spannend und dramatisch und der Fall wird absolut zufriedenstellend aufgelöst. Doch während das bisherige Geschehen wie aus einem Guss wirkte, will das große Finale nicht so richtig zum Rest passen und wirkt irgendwie nicht harmonisch. Für mich war der Schluss einfach zu actionreich und auch ein wenig zu abgehoben. Das ist zwar wirklich nur ein winziger Makel, verhindert aber nun einmal die Traumnote. Trotzdem ist „Dead simple“ oder „Stirb ewig“, wie der Roman in der deutschen Ausgabe heißt, ein grandioses Buch, das für jeden Thrillerfan zum Pflichtprogramm gehören sollte. Unbedingt lesen!

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
„Dead simple” von Peter James ist in im englischen Original bei Pan Macmillan erschienen und hat einen Umfang von 468 Seiten. Das Buch ist für ungefähr 10,00 € als Taschenbuch erhältlich. In Deutschland wurde das Buch unter dem Namen „Stirb ewig“ von den Fischer Verlagen veröffentlicht. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Website.

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