Black Dahlia: Die Schwarze Dahlie – James Ellroy (Roman)


Autor: James Ellroy
Umfang: 496 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 21. September 2006 (Originalausgabe: 1987)

Klappentext:
Ihr Name war Elizabeth Short, genannt die Schwarze Dahlie. Sie war gerade 22 Jahre alt, als ihre bestialisch zugerichtete Leiche an einem Januarmorgen des Jahres 1947 in Los Angeles gefunden wurde.

Ein Thriller über Liebe, Wahnsinn und Tod im Hollywood der vierziger Jahre – basierend auf den Fakten eines der rätselhaftesten Kriminalfälle der USA.

Meine Buchbesprechung:
Officer Dwight „Bucky“ Bleichert ist relativ frisch bei der Polizei in Los Angeles und strebt eine erfolgreiche Cop-Karriere an. Außerdem kann er eine erfolgreiche Laufbahn als Amateurboxer vorweisen, in der er unter dem Kampfnamen „Mr. Eis“ bisher in über 30 Fights ungeschlagen blieb. Um seine Vorgesetzten beim Wahlkampf zu unterstützen und weil er sich im Gegenzug eine Beförderung erhofft, lässt er sich auf einen medienwirksamen Boxkampf gegen den befreundeten Sergeant Lee Blanchard ein, der aufgrund seines temperamentvollen Kampfstils den Namen „Mr. Feuer“ erhielt. Wenig später kommt es zum Spektakel „Eis gegen Feuer“, das Bleichert zwar nach großem Kampf verliert, welches ihm aber bei den Polizeikameraden ein hohes Ansehen verschafft und ihn kurz darauf auch zum beruflichen Partner von Lee Blanchard macht.

Zwei unterschiedliche Polizistin auf der Suche nach einem brutalen Mörder

Am 15. Januar 1947 wird in den Morgenstunden die nackte Leiche einer jungen Frau auf einer Grünfläche in L.A. gefunden. Der Körper der 22-Jährigen ist grausam entstellt und an der Hüfte in zwei Hälften zerteilt, zudem sind ihre Geschlechtsorgane und das Gesicht verstümmelt. Über die Identität der Frau ist zunächst wenig bekannt und es dauert eine Weile, bis man sie als Elizabeth Short identifiziert, eine aufstrebende Schauspielerin, die aber auf ihren Durchbruch wartete und sich so lange als Prostituierte über Wasser hielt. Der Fall erregt in der Stadt große Aufmerksamkeit und fast die gesamten Kapazitäten der Polizei sind auf den Mord an der „Schwarzen Dahlie“ – wie Short aufgrund ihres Aussehens von den Medien getauft wird – angesetzt. Zu den Ermittlern gehören auch „Bucky“ Bleichert und Lee Blanchard, für welche die Suche nach dem Mörder schnell zu einer persönlichen Obsession wird…

Basierend auf dem realen Mordfall der Elizabeth Short aus dem Jahr 1947

„Black Dahlia: Die schwarze Dahlie“ stammt aus der Feder des amerikanischen Bestseller-Autors James Ellroy und erschien bereits im Jahr 1987. Ellroy ist vor allem für seine düsteren Kriminalromane über die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft bekannt, zu denen auch das berühmte „L.A.-Quartett“ gehört, deren Auftakt „Die Schwarze Dahlie“ bildet. Aus dieser Reihe stammt u.a. auch das wohl populärste Werk des Autors, der Thriller „L.A. Confidential“, welcher 1997 vom Regisseur Curtis Hanson sehr erfolgreich verfilmt wurde. Für „The Black Dahlia“ hat sich James Ellroy eines realen Kriminalfalls bedient, denn der Mord an Elizabeth Short hat sich Anfang des Jahres 1947 tatsächlich in Los Angeles so ereignet, wie es der Autor in seinem Roman schildert.

Lange Einführungsphase fordert Geduld und Aufmerksamkeit

Bis es allerdings zu diesem Ereignis kommt, vergehen aber erst einmal rund 100 der insgesamt 496 Seiten, auf denen Ellroy sich viel Zeit nimmt, um seine beiden Hauptfiguren einzuführen. Der Leser erfährt zunächst von der Boxvergangenheit der Polizisten Dwight Bleichert und Lee Blanchard, die wenig später in dem von den Medien enorm gehypten Boxkampf „Mr. Eis gegen Mr. Feuer“ gipfelt. Der Fokus liegt hierbei verstärkt auf dem jungen „Bucky“ Bleichert, welcher den Leser auch als Ich-Erzähler durch die Geschichte führt. Nach dem Kampf geht es für Bleichert steil bergauf: Seine Vorgesetzten sind ihm dankbar für die positiven Auswirkungen auf den Wahlkampf und so dauert es nicht lange, bis „Bucky“ dem höhergestellten Lee als Partner zugeteilt wird. Anschließend berichtet Bleichert von den ersten gemeinsamen Einsätzen und der Festnahme kleinerer Gangster, außerdem wird die Beziehung zu Blanchard weiter intensiviert. Hier kommt auch eine weitere wichtige Figur ins Spiel, nämlich Lees Dauerfreundin Kay, eine sehr attraktive Frau mit krimineller Vergangenheit. Beide Polizisten sind von ihr fasziniert und es entwickelt sich eine merkwürdige Dreiecksbeziehung – zunächst ohne sexuelle Hintergedanken, was aber nicht lange so bleibt…

Als Leser muss man also ein wenig Geduld haben, denn James Ellroy nimmt sich die Zeit, die er für den Einstieg seiner Geschichte braucht, bis es schließlich zum besagten 15. Januar 1947 kommt – und damit zum schockierenden Mord an der jungen Elizabeth Short. Die Spurensuche beginnt und zieht eine gesamte Stadt in ihren Bann. Während sich die Zeitungen mit der Berichterstattung über die geheimnisvolle Tote überschlagen, dringt der Leser an der Seite des Duos Bleichert/Blanchard ein in die persönliche Verhältnisse der „Schwarzen Dahlie“. Dabei ist wenig so, wie es scheint: Von der schillernden Schauspielkarriere war Short weit entfernt, stattdessen entpuppt sich das Opfer als leichtes Mädchen, dass eine ganze Reihe von Männerbekanntschaften vorzuweisen hat, gefangen in einer Abwärtsspirale von Prostitution und Drogen.

Bitterer Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik

Es ist ein düsteres Gesellschaftsbild, das Ellroy in seinem Roman beschreibt, voller Brutalität, Rassismus, Sex und Korruption. Strahlende Helden sucht man bei „Die Schwarze Dahlie“ vergebens, denn weder „Bucky“ Bleichert noch sein Partner Blanchard eignen sich als Vorzeigepolizisten. Während man zu Beginn der Geschichte trotz knallharter Vorgehensweise zumindest noch einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bei den Hauptfiguren vermutet, so verblasst auch dieses Bild mit zunehmender Handlung. Der Umgangston ist roh, nicht selten beleidigend und auch das Verhalten der Cops mehr als fragwürdig. So zieht Bleichert aus der Angst einer Zeugin einen persönlichen Vorteil, in dem er ihr Diskretion im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten verspricht und Blanchard manipuliert Beweise, um eigenes Fehlverhalten zu vertuschen. Je weiter man in der Geschichte vorankommt, desto tiefer versinkt man als Leser im dunklen Morast von Los Angeles.

Hochkomplexe Geschichte mit grandioser Auflösung

Der Mord an Elizabeth Short liefert zwar den Aufhänger für Ellroys Kriminalroman, steht aber längst nicht immer im Mittelpunkt der Geschichte. Vieles dreht sich auch um das Dreiecksverhältnis Bleichert-Kay-Blanchard oder die persönliche Besessenheit der beiden männlichen Hauptfiguren. Vor allem Lee nimmt sich den Tod der schwarzen Dahlie sehr zu Herzen und entwickelt eine regelrechte Obsession für das Opfer. Durch die zahlreichen Nebenschauplätze ist „Black Dahlia“ sicherlich kein einfacher Roman, den man mal so eben weglesen kann. Ellroys Geschichte erfordert Geduld und auch einen gewissen Biss – man muss sich als Leser schon in die Story hineinarbeiten, um die ganze Bandbreite des Buches erfassen zu können. Wer die Mühe jedoch auf sich nimmt, wird dafür mit einem grandiosen Finale belohnt, welches mit zu den besten Enden gehört, die ich bisher in einem Kriminalroman gelesen habe. In den letzten Kapiteln führt Ellroy die zuvor losen Fäden nach und nach unglaublich geschickt zusammen und erzeugt dadurch eine enorme Sogwirkung, die den Leser nur schwer wieder loslässt. Ich bin zum Schluss förmlich durch die Seiten geflogen und konnte nicht mehr aufhören, bis ich die Komplexität der Geschichte vollends erfasst hatte. Das bittere und überraschende Ende ist wie ein Schlag in die Magengrube und schafft das Kunststück, dem Leser eine rundum befriedigende Auflösung zu präsentieren, welche aber trotz aller Fiktion nicht im Widerspruch zu den realen Sachverhalten des Falls steht.

Schlussfazit:
„Black Dahlia: Die Schwarze Dahlie“ ist kein einfacher Roman. Die Geschichte verstört durch die ungeschönte Darstellung der amerikanischen Gesellschaft in den 1940er-Jahren und konfrontiert den Leser mit einer bitteren Mischung aus Gewalt, Rassenhass, Korruption und Prostitution, die nicht leicht zu verdauen ist. Gleichzeitig muss man eine gewisse Bereitschaft zur Einarbeitung in die Story mitbringen, denn die Handlung ist derart komplex und vielschichtig, dass der Bezug zum großen Ganzen oft nicht immer direkt erkennbar ist. Manchmal wirken einige Passagen dadurch ein wenig langatmig, doch wenn man die große Auflösung erst einmal hinter sich hat wird man feststellen, dass jeder einzelne Satz seine Daseinsberechtigung hat.

Düsterer und faszinierender Kriminalroman mit erschreckendem Gesellschaftsbild

Das Buch ist toll geschrieben und überzeugt neben der ausgefeilten Geschichte auch noch mit interessanten Charakteren, die eben nicht als strahlende Helden daherkommen, sondern sich durch ihr Verhalten nahtlos in den gesellschaftlichen Verfall einfügen. Wer also gesellschaftskritische Kriminalromane mag und auch vor einer komplexen Handlung nicht zurückschreckt, der bekommt mit „Black Dahlia: Die Schwarze Dahlia“ einen großartigen Roman geboten, der noch dazu gekonnt Realität und Fiktion verbindet – ein düsterer Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Traumfabrik, der für viele der Beteiligten zu einem Albtraum wurde. 2006 wurde das Buch übrigens von Brian de Palma verfilmt, u.a. mit den Hollywood-Stars Scarlett Johansson, Josh Hartnett, Aaron Eckhart und Hilary Swank.

Meine Wertung: 9/10

Information:
„Black Dahlia: Die Schwarze Dahlie“ von James Ellroy ist im Ullstin Taschenbuch Verlag erschienen und hat einen Umfang von 496 Seiten. Das Buch ist für 9,00 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.

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