Töte mich – Jon Osborne (Roman)


Autor: Jon Osborne
Umfang: 348 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe

Klappentext:
Sei bereit. Sei schnell. Sei gnadenlos. Nathan Stiedowe hat einen Plan: Er will der perfekte Killer sein. Seine Vorbilder sind „Meister“ ihres Fachs, kaltblütige Monster wie Charles Manson. Nathan ahmt ihre Taten nach und begeht die grausamsten Morde der Geschichte ein zweites Mal, jedoch ohne die Fehler zu machen, derentwegen seine Idole geschnappt wurden. Sein Meisterwerk soll eine Frau werden, die ihm vor vielen Jahren entkommen ist. Sie ist ein schwieriges Ziel, denn ihr Job ist es, Serienkiller zur Strecke zu bringen …

Die FBI-Agentin Dana Whitestone steht in einer Blutlache. Vor ihr liegt der aufgeschlitzte Torso eines Mädchens. Der „Cleveland-Slasher“ hat wieder zugeschlagen. Dieser Teufel ist der beste Killer, der Dana in ihrer Karriere begegnet ist, und Dana ist schon lange im Geschäft.

Als junges Mädchen musste Dana mitansehen, wie ein Serienmörder ihre Eltern tötete. Die Jagd nach diesen Bestien wurde zu ihrem Lebensinhalt, und die Opfer besuchen Dana in ihren Träumen. Nur der Alkohol lässt ihre Schreie verstummen. Das Einzige, auf das sich Dana verlassen kann, ist ihr Jagdinstinkt. Und dieser Instinkt verheißt nichts Gutes. Denn der Killer hat jedem seiner Opfer einen Plastikbuchstaben in die Bauchhöhle eingenäht. Zusammengefügt ergeben sie ein Wort: D A N A

Zum Roman:
„Töte mich“ ist das Roman-Debüt des amerikanischen Journalisten Jon Osborne. Meine Aufmerksamkeit erregte das Buch zum einen durch das tolle Cover, vor allem aber durch die Zitate der Thriller-Größen Karin Slaughter und Cody McFadyen, die den Titel in höchsten Tönen loben. Da mir besonders die Smoky Barret-Bücher von McFadyen sehr gut gefallen, musste ich bei „Töte mich“ also nicht lange überlegen. Und so viel kann ich bereits vorwegnehmen: Ich habe den Kauf nicht bereut.

Hauptfigur des Romans ist die FBI-Agentin Dana Whitestone, die selbst eine bewegte Vergangenheit hat. Als kleines Kind musste sie mitansehen, wie ihre Eltern einem kaltblütigen Serienkiller zum Opfer gefallen sind, welcher bis zum heutigen Tage noch nicht gefasst wurde. Von diesem schrecklichen Ereignis sehr geprägt, widmete sich Dana ganz der Verbrechensbekämpfung und schloss sich somit letztlich dem FBI an, wo sie es mit ähnlichen Monstern wie dem Mörder ihrer Familie zu tun bekommt.

Nun hat es Agent Whitestone aber mit einem besonders schweren Fall zu tun. Sie jagt den sogenannten „Cleveland-Slasher“, einen gerissenen Killer, welcher junge Frauen niedermetzelt und keinerlei verwertbare Spuren am Tatort zurücklässt. Bei der Obduktion seines neuesten Opfers finden die Ermittler einen Plastikbuchstaben im Körper der Frau. Als Dana daraufhin die vorangegangenen Toten erneut untersuchen lässt, stößt sie auf drei weitere Buchstaben, die zusammengesetzt ihren Vornamen ergeben. Schockiert fragt sich die Agentin, warum der Täter eine persönliche Beziehung zu ihr herstellen will. Hat er womöglich sogar etwas mit dem Tod ihrer Eltern zu tun?

Dana macht diese Entdeckung schwer zu schaffen und so sucht sie Trost beim Alkohol. Allerdings darf sie sich nicht zu sehr gehen lassen, denn der Killer zieht seine Spur der Zerstörung mittlerweile quer durch die vereinigten Staaten. An seinen Tatorten hinterlässt er jeweils einen Hinweis auf sein nächstes Verbrechen. Doch dieser vermeintlichen „Hilfe“ zum Trotz gelingt es dem FBI nicht, dem Mörder entscheidend näher zu kommen. Sie erkennen jedoch ein erschreckendes Muster in seinen Taten: Offensichtlich kopiert er die Verbrechen von früheren (real existierenden) Serienkillern wie Richard Ramirez, dem „Son of Sam“ oder John Wayne Gacy – mit einem kleinen aber entscheidenden Unterschied: Im Gegensatz zu seinen Vorbildern macht er keine Fehler, denn die Schwachstellen der anderen Killer hat er erkannt und ausgemerzt.

Der Leser hat im Vergleich zur Titelheldin einen klaren Vorteil: Er kennt die Identität des Täters, es bleibt jedoch offen wer wirklich hinter dem Namen „Nathan Stiedowe“ steckt und was seine Motive sind. Dana und er teilen sich jedoch ihr traumatisches Schicksal: Auch Nathans Familie wurde von einem Serienkiller ausgelöscht und seitdem tötet er wie von allen Geistern verlassen. Dieser ständige Perspektivwechsel zwischen FBI-Agentin und Täter sorgt für viel Abwechslung. Man folgt Stiedowe bei der Vorbereitung seiner Verbrechen, der Auswahl seiner Opfer und der Recherche nach den Taten der realen Vorbilder. Und gerade dieser Bezug auf tatsächlich passierte Morde macht dieses Buch so schockierend. Die Verbrechen sind teilweise so grauenhaft, dass man sich kaum vorstellen kann, dass diese genau so in Wirklichkeit schon einmal stattgefunden haben. Ich habe beim Lesen mehrmals die Lektüre unterbrochen, nur um mir die Wikipedia-Artikel zu den jeweiligen Vorbildern durchzulesen oder Fotos von den Tätern oder ihren Prozessen anzuschauen.

Bis zur Hälfte des Romans sah für mich alles noch nach einem guten, aber doch gewöhnlichen Thriller mit Serienkiller-Thematik aus. Was der Autor dann jedoch abfeuert, lässt einen als Leser kaum noch zu Atem kommen. Nathan Stiedowe mordet in einem solchen Tempo, dass man bei der Lektüre kaum noch hinterher kommt. Gerade erst hat man sich von einer Grausamkeit erholt, kassiert man einen noch tieferen Schlag in die Magengrube. Ich habe die zweite Hälfte des Romans in einem Zug durchgelesen, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte.

Die Charaktere könnten zwar an manchen Stellen etwas tiefer ausgearbeitet sein, für einen kurzweiligen Thriller ist das meiner Meinung nach aber noch absolut ausreichend. Gerade die persönlichen Schicksale von Ermittler und Killer sind doch sehr mitreißend und legen die Motive der Figuren nach und nach frei.

Zudem überrascht Jon Osborne mit der ein oder anderen gelungenen Wendung. Nach zwei Dritteln war ich mir fast sicher, dass ich den wahren Täter bereits identifiziert hatte, noch bevor das FBI auf diese Spur kam. Wie es sich für einen guten Thriller aber gehört, gibt es dann kurz vor Schluss noch einmal eine große Überraschung, die der abwechslungsreichen Handlung die Krone aufsetzt.

Mein Fazit:
Für ein Erstlingswerk ist „Töte mich“ von Osborne fast schon beängstigend gut. Die Titelfigur hat dabei absolut Potenzial zur Serienheldin und ich hoffe wirklich, dass der nächste Roman des Autors an die Ereignisse anknüpft. Wenn Osborne es bei seinem nächsten Buch schafft, an die Qualität seines Erstlings anzuknüpfen, bekommen Cody McFadyen und Co. ernsthafte Konkurrenz. „Töte mich“ hat jedenfalls alle Zutaten für einen Top-Thriller: Hochspannung, tolle Geschichte, überraschende Wendungen, einen furcheinflößenden Täter und eine sympathische Hauptfigur. Es ist mir lange nicht mehr passiert, dass ich ein Buch fast in einem Zug durchgelesen habe. Allerdings muss ich an dieser Stelle auch eine kurze Warnung aussprechen, denn „Töte mich“ ist wirklich nichts für schwache Nerven. Die Verbrechen sind brutal, grausam und zutiefst schockierend. Wem die McFadyen-Bücher schon zu blutrünstig sind, der sollte hier besser die Finger von lassen. Fans von Smoky Barrett und Co. sei dieser Titel jedoch wärmstens ans Herz gelegt. „Töte mich“ macht alles richtig und ist für mich bisher das Thriller-Highlight des Jahres. Klare Kaufempfehlung!

Meine Wertung: 10/10

Informationen:
„Töte mich“ von Jon Osborne ist im Verlag Bastei Lübbe erschienen und hat einen Umfang von 348 Seiten. Das Buch ist für 14,99 € als broschierte Ausgabe erhältlich. Weitere Infos auf der Verlags-Homepage.

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